Muzungu – Muzungu
Liebe Muzungus
Immer wieder hören wir die Kinder mit Vergnügen Muzungu – Muzungu rufen. So bezeichnen wir die Weißen, erklären uns die Erwachsenen. Okay. Auf die ständige Frage: Whats your name? antworten wir inzwischen: Muzungu. Wir bestellen Muzungu-rice und singen den Muzungu-blues. Jetzt haben wir auch unseren Spaß.Der Bahnhof in Dar-es ist voller Menschen. Wir suchen unseren Zug nach Kigoma. Dieser wird gerade zusammengestellt. Alte DDR-Bahn oder China-express? Wir sind uns noch nicht einig. Unser Erster-Klasse-Abteil ist stark abgewirtschaftet. Die Kunstlederbezüge lösen sich auf. Ist auch besser so. Darunter ist eine grobe Leinenstruktur. Damit schwitzen wir weniger. Pünktlich um 5.00 Uhr rattern wir los. Ein Bahnbegleiter mit blauer Trainingshose und rotem T-Shirt weist uns ein:1. Lichtschalter an - aus (funktioniert). Stufenlos verstellbarer Metallventilator (jede Stellung liefert Volldampf, in der heißen Phase defekt) 3.holzpflock 40 cm lang (zum verkeilen des Fensters in der nacht, ganz wichtig um uns vor unliebsamen Eindringlingen zu schützen, wenn der Zug in der Nacht hält). 4. Bettwäsche und Wolldecke (bei der Hitze!) 5. Nachts Tür gut abschließen. thieves! Wir schalten den Ventilator ein und genießen Fahrtwind und Volldampfkühlung. Allerdings ist der Lärm des Ventilators nervig. Das ändert sich, als der Zug fahrt aufnimmt. Vom Ventilator ist nichts mehr zu hören. Das Getöse der Räder, schlagen der Kupplungen, klappern der Fenster und das Rauschen des staubigen fahrtwindes übertönt alles. Das Thermometer steigt auf über 30 Grad, die Stimmung ist gut. Wir holen Bier vom Bordrestaurant, klemmen, als es dunkel wird, das Fenster fest und warten auf den Schlaf. Dann tauchen noch die Gespenster von Zugunglücken auf und die Hitze steigt. Endlich schlafen wir. Nachts halten wir immer irgendwo in Afrika und es klopft und rappelt an der Tür. Ja – ja wir schlafen weiter.
In den kühlen Morgenstunden sorgt die Wolldecke für die nötige Wärme. Um 7.00 Uhr ist es kalt im Zug. Die Augen sind staubverklebt, draußen steht die Sonne als glutroter Feuerball am Himmel und überall ist Afrika. Wir frühstücken und genießen den Ausblick ins Weite Land. Zur Abwechslung spielen wir Karten. Der Zug hält oft und wir unterscheiden die Haltestellen nach den dort feilgebotenen waren. Flechtarbeiten aller Art Zuckerrohr in allen längen, Honig in Konyagiflaschen - Bananen, Orangen, Trauben. In Saranda gibt es den längsten Imbissstand in Tansania. Fast in Länge des Zuges reihen sich Grillstände, Suppentöpfe, Frittenberge, Teekessel und Früchte. Greifen sie einfach aus dem Fenster und bedienen sie sich! Vorsicht heiß! Scheinen alle zu rufen. Rauchfahnen und Essensdüfte ziehen durchs Abteil. Es wird gegessen und getrunken. Eine Musikgruppe sorgt auf traditionellen Instrumenten für gute Stimmung. Die Blinden Musikanten beherrschen ein Stück, das sie immer wiederholen. Wir rollen weiter. Bei 33 grad Kabinentemperatur gibt es ein Bier. Oder spätestens um 5.00 Uhr. Das Thermometer siegt. Safari-Bier entstaubt unsere kehle eiskalt. Dafür versagt der Ventilator. Wir sind in Tabora. Es ist Abend und wir haben zwei drittel der Fahrt geschafft. Wir sind es auch. Ohrenstöpsel rein. Fenster zu. Gute Nacht. Wir schwitzen in die Trc-Laken. Früh am Morgen ist es wieder kalt. Noch 2 Stunden dann sind wir in Kigoma. Wir fahren durch Berge und bald sehen wir den Tanganyika-See in der Ferne leuchten. Endlich sind wir in Kigoma. Der Bahnhof erstrahlt in hellem Glanz. Er hat ein neues Wellblechdach bekommen. Der Kaiser wäre geblendet. Wir wohnen im Tanganyika lake beach hotel direkt am See. Wir essen, duschen und sitzen gemütlich am Ufer. Wir fallen müde in die Betten. Um 21.00 Uhr ohrenbetäubender Lärm. African-saturday-night-fever. Die Lautsprecher krachen bis in die früh. Alles, was schwarz ist, scheint zu feiern. Wir nicht. Um 2.30 Uhr ist wieder mal ein Band zu ende. Neue Hoffnung keimt auf. Das war Bob Marleys Abgesang. Endlich Ruhe. Scheiß Afrika. Die nächsten zwei Tage verlaufen ruhig und gemütlich mit romantischen Sonnenuntergängen.
Am letzten Abend gibt es wieder ein großes Fest. Die hier tätigen Hilfsorganisationen feiern im Hotel, gepflegtes Essen im Freien, leise reden, gedämpfter Applaus. Dann krachen die Lautsprecher wieder. Alles klar! Auf geht es zur Fahrt mit der Liemba. Dafür brauchen wir ein Ticket: 1. Tag warten und Anmeldung für das Ticket 2. Tag warten und Ticketausstellung. 3. Tag warten und Bezahlung. Hurra wir haben es. Ein Erste-Klasse-Ticket auf der Liemba. Nummer acht von zehn Kabinen. Das Schiff ist klasse renoviert. Alles dänisch. Die Stühle gibt es auch in Bigis Lehrerzimmer. Das Schiff ist voll beladen (überladen) und Reissäcke, Säcke mit getrockneten Fischen, Ananasberge, Bananenstauden und zukünftige Wellblechdächer stapeln sich am Deck. Die Menschen wandern durch die Gänge. Vor allem die der dritten Klasse, weil es nur wenige Holzbänke und keine Schlafgelegenheiten gibt. Wir dampfen ab. Der See strahlt blau. Die Berge leuchten in der untergehenden Sonne, die Bordküche brutzelt und das Bier zischt kalt. Die Seeluft ist klar und frisch. Aber es riecht immer nach Tetramin-Fischfutter. Oder sind das die Säcke mit Trockenfischen an deck? Vor uns liegen zwei wunderschöne Tage auf dem See und wir genießen die Fahrt. Herrliche Sandstrände mit Bilderbuchdörfern (aus der Ferne) ziehen an uns vorbei. Die Liemba versorgt diese Dörfer, da es keinen oder kaum Zugang vom Land gibt. Boote legen bei jedem halt längsseits an und Menschen und waren werden lautstark in die Boote verfrachtet. Ein nicht ungefährliches Spektakel bis das letzte Huhn in den schwankenden Kähnen verschwunden ist. Bei den Anlegemanövern geht es bisweilen ruppig und chaotisch zu. Da splittern schon mal die Holzplanken und Menschen stürzen kopfüber ins Wasser. Lachend oder fluchend werden sie wieder eingesammelt. Ein Wunder, dass nicht mehr passiert. Bei einem Stop kauft der Bordkoch Fleisch ein. In einem schwankenden Kahn liegen Teile einer Kuh. Bilgenwasser aus der Liemba schießt in einem dicken Strahl ins Boot. Das Boot weicht aus. Wasser wird geschöpft. Der Fleischer hackt mit einer Machete wild auf die Keule ein. Ein gelber Kanister mit Palmöl fällt um. Öl fließt aus. Kanister aufrichten und weiterhacken. Dann durch das abgetrennte Riesenstück ein Loch bohren. Ein blaues Seil von der Liemba durchziehen. Festbinden und hoch gehts. Der Geldschein wird um einen Stein gewickelt und fliegt ins Boot. Guten Hunger! Die 2 Tage vergehen wie im Flug. Ein tolles Erlebnis. Früh am Morgen verlassen wir das Schiff. Wir steigen in einen Landrover Pick-up und fahren 5 Stunden auf staubiger Piste nach Sumbawanga. Ein afrikanischer Morgen wie in jenseits von Afrika. Ein Priester fährt uns. Seit 3.00 Uhr in der frühe hat er auf Fahrgäste gewartet. Er bessert sein Einkommen auf. Dann am nächsten Morgen im übervollen Bus nach Mbeya. Hier blüht alles wie im frühling. Die Bergluft ist kühl und wir schlafen unter bergen von Decken. Wir waren noch kurz im Internet-Cafe und wollen am nächsten morgen mit viel Zeit Mailen. aber dann gibt es keinen Strom und in kürze fährt der Bus nach Mzuzu in Malawi. Kwaheri Muzungu.African black market
Hi friends!
On the road again: Mbeya - Grenze Malawi - Mzuzu - Nkhata bay
Was wir hier lernen ist das Zauberwort wait zu beachten. Da wir auf unserer reise ja Zeit haben wollen, darf das kein Problem sein. Also wait. Die Menschen ertragen hier mit stoischer Geduld die härtesten Reisestrapazen. Eine Familie fährt von Dar-Es per Bus nach Lilongwe (;alawi). Auf der Karte nachsehen. Vater, Mutter und drei Kinder teilen sich 2 Sitzplätze. Wir sind nur 11 Stunden mitgefahren und uns reicht das. Von den Kindern hören wir keinen Ton. Die Eltern reagieren nie gereizt. Wir freuen uns auf die Fahrt. Vor uns liegt eine traumhaft schöne Strecke. Weizen- und Maisfelder, Kartoffeläcker mit roter Erde, Bananenstaudenhaine, afrikanische Birken, Pappeln, Kiefern, blau blühende Jacaranda bäume, Teeplantagen, viele gelbe und blaue Blumenflecken und grüne Wiesen ziehen an uns vorbei. Dazwischen flache Stein- und Lehmbauten mit Stroh oder Wellblechdächern. Rotsandige Fußwege durchziehen die Landschaft und verbinden Häuser und Dörfer. In fast jeder Ortschaft steht eine Kirche. Die Fahrt soll 6 Stunden dauern und um 14.00 Uhr losgehen. Also kommen wir in Mzuzu rechtzeitig an, um ein Hotel zu finden. Aber wait. Der Bus kommt noch nicht. Er hat Verspätung und wir müssen ihm zur Abzweigung nach Malawi entgegenfahren. Also rauf auf einen Pick-up und los. An der Abzweigung ist nicht klar, wann der Bus kommt. Wir warten fast 3 Stunden.Dann kommt ein Uraltbus. Zum Glück ohne versprochenes Videoprogramm. Gestartet ist er in Nairobi Kenia und er fährt die Langstrecke nach Lilongwe regelmäßig. Es gibt einen Fahrer. Die Straße ist gut. Keine Staubwolken im Bus der Gang ist noch frei. Als wir an der Grenze ankommen, ist diese geschlossen und lange Schlangen haben sich gebildet. Aber dieser Bus hat eine Sondergenehmigung und wird trotzdem abgefertigt. Wir haben noch 90.000 TSH und wollen das Geld an der Grenze tauschen. Es gibt jede Menge Money-changer. Man sagt uns in Malawi sei das schwierig. Zuhause habe ich mir aus dem Internet alle aktuellen Wechselkurse ausdrucken lassen und eine Kurstabelle für jedes Land angefertigt. Also weiß ich in etwa bescheid. Nach meinen Berechnungen müsste es etwa 7000 - 7500 Kwatcha geben. Der erste Wechsler rechnet wild und bietet mir 3000 KW an. Er fuchtelt mit dem Taschenrechner und redet lautstark auf mich ein. Plötzlich wird er von einem jungen Mann mit kariertem Hemd von hinten gepackt. Der Arm wird ihm auf den Rücken gedreht. Der junge Mann ruft: He tried to cheat you! Und schleppt ihn auf das Polizeibüro. Wir stellen uns jetzt bei der Passkontrolle an und warten auf den Ausreisestempel. sauber, sauber denke ich. Die passen hier aber gut auf. Wir verlassen die Passkontrolle und wieder werden wir von Geldwechslern umringt. Wir einigen uns auf 7200 kw. Mir wird ein Riesenbündel 100er scheine in die hand gedrückt und ich beginne die roten scheine zu zählen. Bis 4000 kw stimmen die Bündel. Dann fehlen zunehmend Scheine. Auch in der 50er Stückelung ist dies der Fall. Also drücke ich dem Geldgeber alles in die hand. Der Bus ist inzwischen weitergefahren und wir müssen hinterher. Der Weg durch das Niemandsland zwischen den beiden Grenzen wird zum Alptraum. Eine Horde Geldwechsler schreit und zetert. Aber uns reicht es und ich bleibe hart. Am Grenzzaun sind wir sie los. In Malawi ist Sonntag und da gibt es in der Regel keinen Strom. Also tappen wir mit Taschenlampen durch die Flure und füllen bei Kerzenlicht die Einreiseformulare aus. Endlich haben wir den Stempel. Aber jetzt muss noch der Impfausweis her. Ich stolpere über einen Reissack und Suche im Rucksack die Impfausweise. Da sind sie! Vorzeigen! Geschafft! Denkste. Vor mir steht ein Grenzer in Adidashose und Poloshirt. Ich solle folgen. Er entschuldigt sich für den Stromausfall. But sometimes it hapens. Ich nicke verständnisvoll. In seinem Büro brennt eine Kerze. Er trägt unsere Daten in sein geheimnisvolles buch ein und stellt eine Reihe von Fragen. Schließlich landen wir wie zufällig beim Thema Geld. Ob wir USD cash hätten oder TSH-money? Ich bestätige nur die 90 000 TSH. Ob ich die wechseln wolle? Als ich bejahe sagt er ich solle mich vor Betrügern hüten. Er klappt energisch sein dickes Buch zu und die Kerze fällt um. Es ist dunkel, nix wie raus. Draußen halten wir Ausschau. Der nette Grenzer zeigt zum Zaun, dort steht eine Gruppe Wechsler. Ich suche Bigi und wir steuern zielstrebig zum Maschendrahtzaun. Die Verhandlungen verlaufen einfach. Bigi leuchtet und wir zählen gemeinsam die kohle. Die 100er Bündel stimmen. Als wir bei 7000 KW sind, hören wir eine Stimme aus dem Dunkel: Stop! Im Licht der Taschenlampe scheint Eddie Murphy als Prinz von Zamunda in seinen wallenden Gewändern hinter uns zu stehen. I will arrest you. Money-changing is not allowed. Was? Oh, sorry sage ich und schiebe die Geldbündel schuldbewusst wieder durch den Zaun. Auf der anderen Seite erhebt sich Protestgeschrei. Der Oberpolizist ändert seine Meinung und sagt er wolle uns nur vor Betrügern schützen. Also Geld wider her und die neun 10000 TSH scheine rüber. Das ging jetzt fix. Please follow me. Entsetzt schauen wir uns an. Wieder stapfen wir durch dunkle Flure. Schweissgebadet landen wir im Büro des Chefs. Er zeigt auf zwei Sessel, wedelt mit der Petroleumlampe und zieht die Vorhänge zu. Sehr wirkungsvoll. Alle gesehenen Kriminalfilme entfalten in sekundenschnelle ihre Wirkung. Wo liegen die Folterinstrumente? eine äußerst schwierige Diskussion beginnt. Paranoia lässt grüßen. Ob wir auch USD cash hätten? Ich denke an die Schecks, Dollars und Randnoten in den Rückentaschen und verneine. Bei der einreise hatten wir 1000 USD angegeben. Nein, nur Travellerschecks. Ich suche verzweifelt eine günstige Gelegenheit für den Ausstieg aus der Scene. Als der Offizier erklärt, er wolle nur das Beste für uns Touristen, erkläre ich, das wollten wir auch für ihn. Ich greife in die Hosentasche, knülle ein paar Scheine zusammen und drücke ihm die hand. Kühle schlanke Finger fischen die scheine aus meiner hand. Er umarmt mich und wir sind in Sekunden wieder draußen. Hier herrscht das Chaos. Der Bus wurde zwischenzeitlich vollständig ausgeladen. Fassungslos schauen wir zu was da geschieht. Ich verstehe nichts absolut nichts. Wer durchsucht hier was oder wen? Mir scheint die Passagiere durchsuchen sich gegenseitig und nehmen sich dann Geld ab. Es ist spät in der Nacht. Irgendwann ist der Spuk vorbei und alles wird eingeladen. Der gang im Bus ist vollgepackt. Wir fahren weiter. Wieder hängen dicke Staubwolken im Bus. Wir kommen morgens um 4.30 Uhr in Mzuzu an. Suchen uns ein Hotel und fallen in die Betten.
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