Im Reich der Mitte
Ein Land, indem viele tausend Jahre mächtige Kaiser herrschten, die Schrift wie verschlüsselte Geheimzeichen wirkt und die Zutaten alltäglicher Speisen wie Auszüge einer magischer Zauberküche klingen, kennen wir alle aus Märchenbücher unserer Kindheit. Doch dieses traumhaft-mystische Reich ist für alle Entdecker, Abenteurer und Liebhaber phantastischer Geschichten gar nicht so fern ...
Wer einen neunstündigen Flug Richtung Osten wagt, kann sich von dem wundervollen Land namens China verzaubern lassen. Ein Land, das jeder kennt und uns dennoch fremd ist wie kaum ein anderes dieser Erde.
Es ist wahrlich nicht einfach, Worte zu finden, die beschreiben, was ich empfand, als ich zum ersten mal das “Reich der Mitte“ besuchte. Die kindlich-naive Vorstellung meines „Traumlandes“ und das faktische Wissen über reale Begebenheiten Chinas haben eine Mischung voller Spannung und Erwartungen ergeben.
Sollte meine Phantasie desillusioniert werden oder meine Landeskunde sich bestätigen?
Beides war der Fall! Besonders der Aufenthalt in Peking war gespickt von überdimensionalen Gegensätzen. Beim Betreten des Platzes des Himmlischen Friedens, habe ich mich unweigerlich an die junge, vom Sozialismus geprägte Geschichte – die mit Militärgewalt blutig-endenden Demonstrationen Pekinger Studenten im Jahre 1989 – erinnert, denn jener historisch-bedeutsame Platz, der nach wie vor mit seinen Bauten die kommunistischen Werte einer international umstrittenen Politik präsentiert, lässt kaum andere Gedanken zu. Ein Beispiel gibt das Mao-Mausoleum, das weniger durch seine riesige, graue Erscheinung selbst, als durch die lange Warteschlange hunderter chinesischer „Pilgern“ auffällt, die dem darin aufgebahrten ehemaligen Staatsmann ihre Ehre erweisen wollen. Das gemischten Gefühl aus Respekt, beängstigender Ehrfurcht und Unverständnis, das dieser Ort in mir hervorrief, wurde sowohl durch etliche wachende Soldaten als auch durch die mächtige Erscheinung des Mao-Denkmals auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes bestärkt. Das übergroße Bildnis Mao Zedongs – noch gut aus hundert Meter Entfernung erkennbar – schmückt mit einigen links und rechts davon wehenden Nationalflaggen der Volksrepublik das Tor des Himmlischen Friedens zu einer anderen Welt.
Der kalte, (bis auf Rot) farblose Anblick der marxistisch-maoistischen Zeit lässt man beim Passieren des Tores hinter sich und tritt die Reise in eine weit zurückführende Vergangenheit an.
1406 bis 1420 wurden die Gemäuer des kaiserlichen Palastes errichtet, der bis 1908 bewohnt wurde. Da zu Zeiten der Kaiserherrschaft das Betreten der Palastanlage, mit Ausnahme weniger Auserwählter des kaiserlichen Personals, strengstens untersagt war, nennt man diese auch „Die verbotene Stadt“. Neben tempelgleicher Hallen, die jede eine andere Bedeutung mit sich führt, kann man die Wohn- und Schlafräume des Kaisers, seine Arbeits- und Regierungsräume und auch die Zimmer der Konkubinen besichtigen.
Zurück im Peking des 21. Jahrhunderts bietet der Besuch einer Akrobatikshow eine kontrastreiche, unterhaltsame Abwechslung zu den vorausgegangenen gewonnenen Eindrücken, die von wahrlich überwältigenden Sehenswürdigkeiten geprägt wurden. Das faszinierende Können der Akrobaten, traditionelle Elemente chinesischer Artistik und Musik mit moderner und komödiantischer Bühnenshow zu kombinieren, spiegelt das gegenwärtige Leben der Chinesen wieder. Sie bilden ein Volk, das zwischen altertümlichem Brauchtum und Glaube einerseits und wirtschaftlichen und politischen Umbrüchen andererseits steht. Geht man durch die Straßen Pekings, vorbei an kleinen Gassen, hinter denen sich die typischen „Wohnhöfe“ verbergen, entdeckt man die unmittelbar daneben sich aus dem Nichts erstreckenden Wolkenkratzer. Sie sind Kennzeichen des westlichen Kapitalismus und stehen für den neuen, sich nach marktwirtschaftlichen Vorbildern richtenden Trend, der in den Augen vieler Chinesen ein verunsichertes Gefühl erkennen lässt. Gerade ältere Menschen wirken von der sie förmlich überrollenden, neuen Lebensweise eingeschüchtert. Was aber uns so vertraut ist, ist in China bis vor Kurzem noch undenkbar gewesen.
Die ganze Reise war geprägt von diesen sich ständig ins Gegensätzliche umwandelnden Emotionen und Gedanken über die Kultur, die Leute, die Politik des Landes. Aber trotz allem hat es immer wieder unbeschwerliche Augenblicke gegeben, die ich mit viel Spaß und Humor erlebt habe.
Sich etwas Essbares zu bestellen, wenn man kein Wort chinesisch spricht und sein Gegenüber weder deutsch, englisch noch französisch versteht, wird zu einem außergewöhnlichen Erlebnis der Kommunikation, bei dem es auch mal etwas länger dauern kann ...
Ist die erste Hürde geschafft, wird das „Besteck“, was in China bekanntlich aus zwei Bambusstäbchen besteht, zur nächsten Herausforderung. Es gibt tatsächlich Restaurants, in denen ausschließlich mit Stäbchen gegessen wird und Gabeln nicht erhältlich sind. Spätestens jetzt sollte man sich überlegen, ob ein guter China-Tourist in einem steckt, da das Essen an sich erst recht nicht jedermanns Sache ist. Wer sich aber neben viel Reis und Soja-Sauce gerne auf das Abenteuer einlässt, fremdartige Gemüse- und Fleischsorten zu kosten, wird die unvergessliche Erfahrung mit einer ebenso abwechslungsreichen wie auch einfachen, fantastischen Küche machen.
Besonders nach einem Besuch des beliebten Ausflugsziels „die große Mauer“ kann der große Hunger geweckt werden. Richtig anstrengend ist es, die sehr unterschiedlich hohen Stufen (zwischen 15 und 40 cm hoch) hinauf zu steigen. Doch die Mühe lohnt sich auf jeden Fall. Außer Atem und mit rotem Kopf wurde ich auf der Mauer mit einem weitreichenden Blick belohnt.
Der ursprünglich ca. 6000 Kilometer lange Schutzwall wurde bereits 210 v. Chr. errichtet und ist das älteste von Menschenhand errichtete Bauwerk der Welt, das der Legende nach vom aus Mond zu sehen sei.
Berühmt ist China auch für seine zahlreichen, wunderschönen Gartenanlagen, die mit viel Sorgfalt und Liebe angelegt wurden. Die Kompositionen aus heimischen Pflanzen und Gesteinen, aus denen Skulpturen, Pavillons und kleine Brücken gehauen wurden, ist nie zufällig entstanden. Sie führen auf alte, symbolische Traditionen zurück. Heute werden diese Gärten, die sich einst reiche und hohe Angestellte des Kaisers oder dessen Familienangehörige errichteten, von Karpfen und Goldfischen in den Teichen bewohnt. Außerdem beherbergen sie die beliebten Bonsais, von denen die Chinesen behaupten, sie erfunden zu haben und nicht die Japaner. Sowohl Gärten als auch buddhistische Tempel werden intensiv gepflegt und sind bei den Touristen und beliebte Sehenswürdigkeiten, die man nicht nur in Peking, sondern auch in Shanghai besuchen kann. In ihnen kann jeder Ruhe und Entspannung finden, was in den Gebetshäusern nicht zuletzt durch den unvergesslichen Duft hunderter Räucherstäbchen und den meditativen Gesänge hervorgerufen wird.
Besonders erholsam ist die Wirkung jener bezaubernden „Oasen“ nach einem Bummel auf den belebten Einkaufsstraßen in den Zentren Pekings und Shanghais. Selbst europäische Großstädter sind bei dem Anblick der riesigen, mit Reklame beleuchteten Geschäftshäuser überwältigt. Es scheint ein Wettbewerb zwischen den Immobilienmaklern und Architekten zu bestehen, in dem das auffälligste und grellste Gebäude siegt.
[ Bilderbogen ]
[Reisebericht Afrika Teil 1] Eine Reise durch Botswana [Reisebericht Afrika Teil 2] [Reisebericht Indien] [www.derreisetipp.de] - viele Reiseberichte und Bilder
- Serviceseiten, Buchtipps, ....Bei Fragen und Anregungen: news@myWebPromotion.com
Reiseberichte
derreisetipp.de
Bildergalerie ![]()
| © 2002 myWebPromotion.com Alle Rechte vorbehalten. |