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Der Besserwisser von Bäranus von Susann Conradt Kapitel 2 Bäranus Auf dem Nachhauseweg erzählte Niklas seiner Mutter, daß er den Bären von seinem gesparten Geld kaufen wollte. Sie hatte nichts dagegen, denn Niklas durfte sich das ersparte Geld selber einteilen. Sie sagte nur, er könne es sich ja noch mal überlegen, denn schließlich sei das ja viel Geld. Aber Niklas brauchte nicht mehr zu überlegen. Am Abend fragte Niklas seine Mutter, ob er noch mal schnell bei seinem Freund Juli anrufen dürfte und sie hatte nichts dagegen. Er erzählte Juli alles ganz genau. Aber der wollte und konnte ihm einfach nicht glauben. „Wart’s ab“ sagte Niklas „du wirst ihn bald kennenlernen und dann mußt du mir glauben.“ Aber Niklas mußte zugeben, daß er Juli diese Geschichte wahrscheinlich auch nicht so ohne weiteres geglaubt hätte. Als er dann später im Bett lag, konnte er doch nicht gleich einschlafen. Viel zu aufregend war dieser Tag. Er malte sich aus, wie es wohl sein würde, wenn der Besserwisser bei ihm wohnen würde. Vielleicht bräuchte er dann nie wieder Hausaufgaben machen. Oder könnte heimlich in seinem Zimmer fernsehen. Schließlich hatte der Bär ja gesagt er könne zaubern. „Oh wird das herrlich“ dachte Niklas und schlief dann doch darüber ein. Der nächste Morgen kam schnell. Viel schneller als es Niklas recht war. Denn er war doch wirklich noch müde. Was hatte er da bloß geträumt fragte er sich. Von einem Bären der zaubern konnte, der mit ihm gesprochen hatte und der bei ihm wohnen wollte. „Verrückt“ dachte er, aber schön war der Traum doch. Wie jeden Morgen fuhr der Vater Niklas mit dem Auto zur Schule. „Da ist Juli“ rief Niklas. Das Auto hielt an und Niklas rief noch beim Aussteigen „Juli warte !“. Juli wartete an der Pforte auf ihn. „Hallo Niklas. Das ist ja eine tolle Geschichte, die du mir da gestern am Telefon erzählt hast. Ich konnte gar nicht einschlafen gestern abend und bin schon ganz gespannt, wann ich den Besserwisser nun endlich kennenlerne.“ Niklas wurde blaß. Hatte er doch nicht geträumt. Dann würde Juli ja gar nichts davon wissen. Aber er wußte es. Das bedeutete, daß der Besserwisser auf ihn wartet. Und er hatte ihm versprochen, ihn bald abzuholen. Nachdem Niklas sich von dem Schreck erholt hatte sagte er: „Ich dachte schon, ich hätte geträumt. Aber es ist wahr. Ich werde ihn dir vorstellen, sobald er bei mir zu Hause wohnt. Ist doch Ehrensache.“ Gerade als er seinen Satz beendet hatte, knuffte ihn jemand in die Seite. „Na ihr beiden Tratschtanten. Was habt ihr euch wieder so Interessantes zu erzählen?“ sagte Chris, der eigentlich Christian hieß und den Juli und Niklas überhaupt nicht mochten. Er war viel stärker, viel stärker als alle in der Klasse. Und er wußte es. Deshalb nannten sie ihn auch alle >den Angeber<, weil er immer damit herum prahlte. „Hau doch ab“ sagte Juli. „Hey ihr Nuckelflaschen, nur nicht frech werden !“ drohte der Angeber gleich mit erhobener Faust. „Ja,ja, hauen ist auch das einzige was du kannst“ sagte Niklas und mußte dafür gleich noch einen Knuff in die Seite einstecken. Doch bevor er sich noch wehren konnte, klingelte es zur Stunde. Niklas hoffte, daß Chris ihn in der Pause in Ruhe lassen würde. Juli und Niklas hatten Glück. In der großen Pause hatte Chris sich mit einem anderen Jungen aus der Parallelklasse gestritten und sich so heftig geprügelt, daß die beiden zur Strafe den Rest der Pause auf zwei Stühlen vor der Tür vom Lehrerzimmer verbringen durften. Dieser Tag war also gerettet. Niklas erzählte Juli, daß er nach der Schule gleich seine Mutter fragen wollte, ob sie mit ihm noch einmal in die Stadt fährt, damit er sein Versprechen einlösen konnte. Und so geschah es dann auch. Als Niklas das Spielzeuggeschäft betrat, war ihm doch ein wenig mulmig zumute. Er nahm aber allen Mut zusammen und ging auf das Regal zu, in dem er den Bären versteckt hatte. Er griff nach hinten, aber – der Bär war weg. „Oh nein“ dachte Niklas. „Das bitte nicht!“ Aber er suchte und suchte – vergebens. Ihm stiegen Tränen in die Augen. Er holte ein zerknülltes Papiertaschentuch aus seiner Hosentasche und schnaufte sich laut die Nase. „Töröö – du schnaubst ja wie ein Elefant“ hörte er plötzlich die ihm vertraute brummige Stimme. „Machst du das immer so laut ?“. Niklas blickte zur Seite und sah – den Besserwisser. Er saß mit zwei Puppen auf kleinen Stühlen um einen Tisch herum. Auf dem Tisch stand ein kleines Puppenservice. Niklas hatte ihn deshalb zuerst gar nicht gesehen. „Ich dachte schon du wärst weg“ sagte er mit zitternder Stimme, denn er hatte sich noch nicht wieder beruhigt. „Aber nein“ antwortete der Besserwisser. „Ich hatte einfach Langeweile und da habe ich mir gedacht, trinkst du einfach mit den Puppen ein bißchen heiße Schokolade und zauberst auch noch einen frischen Kuchen dazu. Es hat wunderbar geschmeckt. Weißt du eigentlich, daß das Wort „wunderbar“ eigentlich „wunderbär“ heißen müßte ? Das würde dann richtig gut zu mir passen.“ Niklas, dessen Stimme jetzt wieder ganz normal klang, dachte: „Er ist eben doch ein richtiger Besserwisser.“ Niklas nahm den Bären in den Arm, ging zur Kasse, an der seine Mutter schon auf ihn wartete und bezahlte. Jetzt war alles erledigt und das Abenteuer konnte beginnen. Wenn Niklas gewußt hätte, was er noch alles mit dem
Besserwisser erleben sollte, hätte es ihn wahrscheinlich umgehauen.
Aber er wußte es natürlich nicht. Und so ging er glücklich mit dem
Besserwisser unter dem Arm nach Hause um ihm sein neues zu Hause zu
zeigen. „Du hast aber ein echt supertolles Zimmer“ sagte der Besserwisser als Niklas ihm sein Zimmer zeigte. „Und so viele Stofftiere hast du! Wo kann ich denn schlafen ?“ wollte der Bär wissen. Niklas antwortete: „ In meinem Bett natürlich, direkt neben mir.“ Es klingelte an der Haustür und Niklas Mutter rief:“ Niklas, Juli ist hier und möchte dich besuchen !“ Niklas freute sich und sagte „Das ist ja prima. Jetzt kannst du meinen Freund Juli kennenlernen“ und begrüßte Juli als der in sein Zimmer kam. „Hallo Niklas“ sagte Juli. „Ich bin gekommen um deinen Bären kennenzulernen. Ich konnte es doch vor Neugier nicht mehr aushalten.“ „Ja gerne, komm herein“ und zu dem Besserwisser sagte er: „ Das ist Juli – mein allerbester Freund. Und das Juli ist der Besserwisser“. Niklas deutete auf den Bären und Juli legte zögerlich seine Hand in die Bärenpfote. „Hallo Juli. Nett dich kennenzulernen. Niklas hat mir schon viel von dir erzählt. Daß du sein bester Freund bist und so. Aber sein schlauester Freund bin ich ja“ sagte der Bär und grinste über seine ganze Bärenschnauze. „Der ist aber frech“ sagte Juli. „Ja“ erwiderte Niklas. „Er ist eben ein Besserwisser“. Und alle drei lachten. „Möchtet ihr etwas zu trinken ?“ fragte die Mutter beim Öffnen der Zimmertür und blickte Juli und Niklas erwartungsvoll an. „Ja gerne. Ich möchte Apfelsaft“ sagte Niklas „und was möchtest du Juli ?“ „Ich möchte auch Apfelsaft“ antwortete er. „Ich möchte auch was“ hörten Niklas und Juli den Bären sagen. „Am liebsten Ahornsirup.“ „Wie soll ich das denn machen“ sagte Niklas und seine Mutter schaute ihn fragend an. „Was meinst du Nicki ?“ fragte sie und nannte Niklas bei seinem Spitznamen, den er eigentlich gar nicht leiden konnte. Niklas überlegte kurz. „Ich möchte doch keine Apfelsaft, Mama. Ich nehme lieber Tee. Und bitte keinen Zucker zum süßen sondern – Ahornsirup.“ Die Mutter, die doch sehr erstaunt war über Niklas Wunsch auf einmal Tee trinken zu wollen, schaute ihn fragend an, drehte sich aber doch um und ging in die Küche. „Mußt du immer dazwischenreden Besserwisser“ schimpfte Niklas. „Was blieb mir anderes übrig“ sagte der Bär. „Du hast mich ja nicht gefragt.“ „Typisch“ dachte Niklas und wollte aber doch über dieses Thema nicht länger reden. Viel zu neugierig war er nun, was der Bär denn alles zu erzählen hatte. Die drei setzten sich auf das Bett und der Bär fing an zu erzählen. „Tja, das ist ja eine lange Geschichte“ begann der Besserwisser. „ Ihr wollt wissen, woher ich komme. Das kann ich Euch sagen. Ich komme vom Stern > Bäranus<.“ „Von welchem Stern?“ wollte Juli wissen. Das hatte er ja noch nie gehört und auch Niklas schaute den Bären nur fragend an. „Ich sagte doch, vom Stern >Bäranus<. Auf diesem Stern leben nur Bären. Und wir leben dort fast so wie ihr hier auf der Erde. Die Bärenkinder gehen zur Bärenschule, die großen Bären gehen arbeiten und manchmal fahren wir auch in die Ferien. Und zwar nach >Bäranien<. Ist echt cool dort. Dieser Stern liegt direkt im Mittelweltraum. Ist ganz schnell mit dem Bärenflieger zu erreichen. Dort gibt es dann Ahornsirup-Cocktails für die erwachsenen Bären und Ahornsirup-Limo für die Kinderbären. Wir spielen dort Bärengolf, Tatzenball, Schnauzball und vieles mehr. Ist wirklich lustig dort. Aber davon erzähle ich euch noch ein anderes mal.“ Die Mutter hatte inzwischen die Getränke hereingebracht und wunderte sich doch ein bißchen, daß Juli und Niklas mit einem Bären zusammen auf dem Bett hockten und man fast den Eindruck haben konnte, daß sie sich mit ihm unterhielten. „Wollt ihr gar nicht spielen ?“ fragte sie und stellte Juli ein Glas Apfelsaft auf den Tisch und Niklas seinen Tee. „Nee, keine Lust“ sagten beide fast gemeinsam. „Äh, wir unterhalten uns lieber“ sagte Niklas und die Mutter schmunzelte ein bißchen. Sie war noch nicht ganz zur Tür raus, da fiel der Bär über die Flasche Ahornsirup her und ließ den köstlichen Sirup langsam die Kehle herunterlaufen. „Hmmm, wie lecker“ sagte er und stellte die leere Flasche neben Niklas Teetasse. Juli und Niklas guckten sich verwundert an. Sie sagten nichts, konnten aber doch ein Kichern nicht unterdrücken. „Was lacht ihr so ?“ wollte der Bär wissen. „Ich hatte eben Hunger. Und was gibt es leckeres als ein Flasche Ahornsirup ?“ So gestärkt fuhr der Besserwisser mit seiner Geschichte fort. „Außer uns Bären wohnen dort auch noch die Sternenfeen. Sie sind unsere Beschützer und Helfer. So ähnlich wie bei euch auf der Erde die Schutzengel.“ Juli und Niklas schauten den Besserwisser ungläubig an. „Glaubt ihr mir etwa nicht?“ sagte der Besserwisser ein bißchen beleidigt. „Ihr werdet es glauben, wenn wir dort gewesen sind.“ Jetzt schauten Juli und Niklas noch ungläubiger und waren fast ein wenig erschrocken. „Aber sag mal“ fragte Juli, „willst du uns da hin zaubern ?“ Der Bär schüttelte den Kopf und sagte ein wenig kleinlaut: „Ich kann gar nicht zaubern. Ich wollte nur ein wenig angeben.“ „Aber warum kann Juli mit dir sprechen, ich kann es und meine Mutter kann dich nicht hören ?“ wollte Niklas wissen. „Und was war mit dem Kuchen und der heißen Schokolade im Spielzeuggeschäft ?“. „Ja also“ sagte der Besserwisser. „Das ist nämlich so! Zaubern können nur die Sternenfeen. Und zwar brauchen sie dazu ihren Sternenstaub. Meine Sternenfee heißt >Bärafina<. Sie hat gesagt, alle Kinder mit viel Phantasie werden mit mir sprechen können. Deshalb kann deine Mutter mich auch nicht hören.“ „Aber was machst du denn hier auf der Erde in einem Spielzeuggeschäft ?“ wollte Niklas wissen. „Ich bin eben nicht nur ein Besserwisser“ sagte der Bär, „sondern auch sehr neugierig. Eines Tages sagte mir meine Sternenfee Bärfina, daß sie zur Erde reisen wollte um für den Technikbär ein Ersatzteil zu besorgen, was es bei uns auf Bäranus nicht mehr gab. Unser großes Bärenshuttle war kaputt. Und da habe ich sie gebeten mich mitzunehmen. Ich wollte unbedingt wissen, wie ihr Menschen lebt und wie es auf der Erde aussieht.“ „Ja aber warum bist du dann hiergeblieben ?“ wollte Niklas wissen. Der Besserwisser schaute nachdenklich. „Tja also“ begann er „das war so. Ich wollte eben die Menschen richtig kennenlernen und vor allem hatte ich noch nicht genug von der Erde gesehen. Aber Bärafina mußte zurück. Der Technikbär konnte nicht noch länger auf dieses Ersatzteil warten.“ „Warum habt ihr denn das Teil, daß kaputt war in der Raumfähre nicht einfach gezaubert ?“ wollte Juli wissen. „Die Sternenfeen dürfen nur dann ihren Zauber benutzen, wenn es absolut nicht anders geht. Das heißt also im Notfall. Und wenn eine Fee sich nicht daran hält, verliert sie ihre Zauberkräfte. Deshalb mußte Bärafina auf die Erde um diesen Regler für den Raketenantrieb zu besorgen.“ „So, so“ sagte Niklas. „Dann war das Zaubern des Kuchens und der heißen Schokolade für dich also auch ein Notfall ?“ und grinste über beide Ohren. „Nein, aber Bärafina hatte sich dafür eine Ausnahmegenehmigung beim Feedobäro besorgt. Der wacht nämlich über die Feen. Und weil ich der einzige Bäranus-Bewohner hier auf der Erde bin, war er damit einverstanden.“ „Aber nun wissen wir immer noch nicht, warum du jetzt noch hier bist und Niklas dich dort im Geschäft kaufen konnte“ sagte Juli und gähnte dabei schon ein bißchen, denn es war schon spät geworden. „Juli !“ rief auf einmal die Mutter von Niklas. „Juli, kommst du bitte ‚runter. Deine Mutter ist hier und möchte dich abholen.“ „Oh wie schade“ sagte Juli und auch Niklas war traurig, daß Juli schon gehen mußte. Aber auch er mußte sich schon müde die Augen reiben. „ Wenn du morgen wieder kommst, erzähle ich euch die Geschichte weiter. Ich bin jetzt auch ziemlich müde nach diesem anstrengenden Tag und möchte schlafen. Ich lege mich schon mal in dein Bett, Niklas. Gute Nacht Juli. Gute Nacht Niklas.“ Und noch eher er die letzten Worte ausgesprochen hatte lag er schon und schnarchte ein wenig. Juli und Niklas schlichen sich aus dem Zimmer, denn sie wollten ihn nicht stören. „Was für eine tolle Geschichte“ sagte Juli. „Ja, ich bin auch schon ganz neugierig. Aber morgen ist ja dein Geburtstag.“ „Richtig. Das hätte ich jetzt fast vergessen. Dann kann ich erst übermorgen wiederkommen.“ „Ok“ sagte Niklas. „Dann lassen wir uns die Geschichte in Ruhe weiter erzählen. Und in der Schule zu keinem ein Wort. Das mußt du mir versprechen.“. „Ist doch klar !“ sagte Juli. „Nicht mal dem Angeber werde ich ein Wörtchen sagen. Das ist jetzt unser Geheimnis.“ Juli’s Mutter wartete schon ungeduldig. Die beiden sagten sie noch gute Nacht und dann war es auch für Niklas Zeit ins Bett zugehen. „So schnell wie heute abend ist Niklas noch nie im Bett gewesen“ sagte Niklas Mutter zu seinem Vater am Abend. Als sie am Abend vor dem Zubettgehen noch einmal in Niklas Zimmer schauten, lag er eingekuschelt unter seiner warmen Decke im Bett und hatte den Arm um seinen neu gekauften Bären gelegt. „Der Teddy sieht fast aus, als wäre er lebendig“ sagte Niklas Mutter und dann gab sie ihrem Mann einen Gute-Nacht-Kuß .
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© 2001, Susann Conradt |
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